Die US-Steuerreform und deren Bedeutung für den deutschen Maschinenbau

In Rekordzeit haben der Senat und das Repräsentantenhaus die Unterschiede in ihren Entwürfen für die Reform des US-Steuerrechts auf Bundesebene beseitigt und dem Präsidenten am 21. Dezember 2017 einen gemeinsamen Gesetzestext vorgelegt.

von Matthias Amberg Steuerberater, Certified Public Accountant, Rödl & Partner Chicago und Elisa Fay Partner-in-Charge, Rödl National Tax – U.S. Rödl & Partner Atlanta

Präsident Donald Trump hat seine Unterschrift am 22. Dezember 2017 geleistet und damit konnten die Gesetzesänderungen am 1. Januar 2018 in Kraft treten. Steuergesetze der Bundesstaaten werden durch die Steuerreform nicht geändert. Nach ersten Analysen werden die Änderungen des amerikanischen Steuerrechts nicht nur Folgen für die US-Wirtschaft, sondern auch für andere Wirtschaftsnationen haben und damit auch für den deutschen Maschinenbau.

Mit diesem Beitrag kommentiert Matthias Amberg, Steuerberater und U.S.-CPA die US Steuerreform unter Berücksichtigung des deutschen Maschinenbaus. Herr Amberg ist Partner bei Rödl & Partner in Chicago und berät vor Ort seit über 13 Jahren internationale, vorwiegend deutsche Unternehmen, in allen steuerlichen und prüfungsrelevanten Themen bei Investitionen in den USA:

„Die Reform bietet den deutschen Unternehmen mit US Tochtergesellschaften in den USA gute Wachstumschancen. Sie profitieren davon, dass sie selbst weniger Steuern zahlen müssen und die Anschaffungs- und Herstellungskosten für zahlreiche Wirtschaftsgüter in den USA in den nächsten fünf Jahren sofort gewinnmindernd berücksichtigt werden. Aber auch deutsche Unternehmen, die bisher nur in die USA exportieren, können zu den Gewinnern der Reform gehören, da amerikanischen Unternehmen jetzt mehr Geld zur Verfügung steht. Ihre Nachfrage nach Investitionsgütern wird steigen. Davon werden vor allem deutsche Maschinenbauer profitieren. Deutsche Maschinen genießen in den USA einen hervorragenden Ruf, sind aber auch nicht preiswert. Jetzt werden sich mehr amerikanische Unternehmen die deutschen Produkte eher leisten können.

Die niedrigeren Steuern bieten natürlich einen Anreiz, jetzt in den USA zu investieren. Unternehmen sollten ihre strategischen Überlegungen allerdings nicht hauptsächlich von Steuerfragen abhängig machen. Die wirtschaftlichen Perspektiven spielen hier die Hauptrolle und die sind in den USA nach wie vor sehr gut. Für ausländische Unternehmen in den USA ist es wichtig, Produktionsstätten bzw. After-Sales-Services vor Ort zu haben, wenn sie auf dem amerikanischen Markt erfolgreich sein wollen. Bei deutschen Unternehmen, die bislang lediglich in die USA exportieren, sollten die gesunkenen Unternehmenssteuersätze zum Anlass genommen werden, die Gründung einer US-Tochtergesellschaft in Betracht zu ziehen. Die Erfahrung zeigt, dass Kunden und Firmen ausländische Unternehmen, die auch vor Ort produzieren ganz anders wahrnehmen. Wer nicht nur exportiert, sondern auch einen Beitrag zum Wachstum der amerikanischen Wirtschaft leistet, wird viel wohlwollender behandelt und hat damit auch bessere Chancen, sich auf dem Markt gegenüber der amerikanischen Konkurrenz durchzusetzen.

Der Knackpunkt dieser Reform ist die BEAT-Steuer, den die Unternehmen im Auge behalten sollten. Sie wird beispielsweise bei Lizenzgebühren oder Management Fees der US-Töchter an den deutschen Mutterkonzern fällig. Die Gefahr besteht, dass deutsche Unternehmen für diese Lizenzen zweimal Steuern zahlen müssen, einmal in Deutschland und einmal in den USA. Noch ist aber unklar, ob diese etwas protektionistische Keule von den anderen Staaten auch akzeptiert wird, oder sie womöglich bei der Welthandelsorganisation (WTO) dagegen klagen. Die meisten Mittelständler werden davon gar nicht betroffen sein, weil diese Steuer grundsätzlich bei den meisten US-Töchtern erst mit einem Umsatz von mindestens 500 Millionen US Dollar und Zahlungen von mehr als drei Prozent der Betriebsausgaben, soweit sie unter BEAT fallen, greift (siehe im Detail unten). Das wird wohl im Wesentlichen auf DAX-Konzerne zutreffen können. Für diese kann die Steuer aber durchaus problematisch werden.

Durch die Rückführung in der Vergangenheit erzielter, noch nicht besteuerter Gewinne ausländischer Tochtergesellschaften in die USA, kommt die amerikanische Konkurrenz nun günstig an ihr Auslandsvermögen, was ein Risiko darstellt. Bei der Umstellung auf das auch in Deutschland angewandte sog. Territorialprinzip wird auf die im Ausland thesaurierten Gewinne eine einmalige Bundessteuer von lediglich bis zu 15,5 % anstelle von bisher bis zu 35 % fällig. Zukünftige Gewinne ausländischer Tochtergesellschaften können dann grundsätzlich ohne weitere Steuerbelastung in den USA ausgeschüttet werden. Das spült vermutlich große Mengen an Geld in die Kassen der amerikanischen Unternehmen, die damit jetzt auf Einkaufstour gehen können, was natürlich nicht die Position der deutschen Unternehmen stärkt.

Festzuhalten bleibt, dass durch die Reform der Standort USA an Attraktivität gewonnen hat und sich die deutsche Politik Gedanken machen muss, wie sie darauf reagiert. Die Bundesregierung sollte jetzt den Standort Deutschland stärken. In der deutschen Steuerpolitik hat es zu lange weitgehend einen Stillstand gegeben. Und Stillstand ist bekanntlich Rückschritt. Die neue Bundesregierung sollte Mut und Kraft aufbringen, das Unternehmenssteuerrecht grundlegend zu verbessern und dabei z.B. die Gewerbesteuer, die es in diesem Umfang in kaum einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union gibt, auf den Prüfstand zu stellen.“

Nachfolgend werden die wesentlichen Änderungen des Steuerrechts dargestellt, soweit sie für eine Unternehmenstätigkeit in den USA oder den Export von Gütern in die USA von besonderer Bedeutung sind sowie Handlungsempfehlungen für deutsche Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zu den USA gegeben.

  • Senkung des Körperschaftsteuersatzes
    Für Kapitalgesellschaften wird der bisherige Spitzensteuersatz von 35 Prozent durch eine „Flat-Rate“ in Höhe von 21 Prozent ersetzt. Selbst unter Berücksichtigung der zusätzlich zu entrichtenden und nicht durch die Steuerreform geänderten Körperschaftsteuern auf Bundesstaatenebene in Höhe von durchschnittlich 6 Prozent werden US-Unternehmen erheblich entlastet. Dies wird die Investitions- und Innovationsbereitschaft fördern, da die Liquidität der Unternehmen erhöht wird. Dies ist für den deutschen Maschinenbau von besonderer Bedeutung und eröffnet völlig neue Perspektiven.
  • Änderung bei der Besteuerung von Personengesellschaften
    Natürlichen Personen, die Anteilseigner einer US-Personengesellschaft sind, wird grundsätzlich ein Abzugsbetrag in Höhe von 20 Prozent der zulässigen US-Einkünfte aus Gewerbebetrieb gewährt. Der Abzugsbetrag darf aber nicht 50 Prozent der Lohnsumme oder 25 Prozent der Lohnsumme zuzüglich 2,5 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten des zulässigen Vermögens des Gewerbebetriebs übersteigen. Bei diesen Änderungen ist wie bei vielen anderen für natürliche Personen zu beachten, dass sie nur bis 2025 Geltung haben.
  • 100% - Sofortabschreibung für Wirtschaftsgüter
    Bei zahlreichen Wirtschaftsgütern, die nach dem 27. September 2017 und vor dem 1. Januar 2023 in Betrieb genommen werden, können die Anschaffungs- und Herstellungskosten als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Von 2018 bis 2022 können 100 Prozent der Investitionen sofort steuerlich geltend gemacht werden. Von 2023 bis 2026 sinkt der Satz dann jährlich um 20 Prozent, so dass die Regelung in 2027 ausläuft. Ausgeschlossen von dieser Regelung sind beispielsweise Investitionen von Versorgungsunternehmen wie zum Beispiel Stromversorger. Die Anschaffung von Maschinen fällt unter diese Regelung und wie die Senkung der Unternehmenssteuersätze wird diese Neuerung nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf die Unternehmensplanungen im Hinblick auf zu tätigende Investitionen haben. Damit ergeben sich auch hier neue Perspektiven und Geschäftschancen für den deutschen Maschinenbau.
  • „Base Erosion and Anti-Abuse Tax” Regelungen (“BEAT”)
    Die zunächst befürchtete Einführung einer Importsteuer ist glücklicherweise nicht erfolgt und auch die später ins Spiel gebrachte Besteuerung von Kapitalausfuhren ist nicht Gesetz geworden. Dafür wurden die „Base Erosion and Anti-Abuse Tax“ Regelungen („BEAT“) eingeführt. Leistet ein US-Unternehmen mit mindestens USD 500 Mio. Umsatz Zahlungen an ein ausländisches verbundenes Unternehmen (25 Prozent-Grenze) und betragen die unter „BEAT“ fallenden Zahlungen mindestens 3 Prozent der gesamten Betriebsausgaben, kann die Steuer anfallen. Die BEAT-Steuersätze betragen für die meisten Unternehmen 2018 5 %, von 2019 bis 2025
    10 % und ab 2026 12,5 %. Eine Steuerbelastung kann dann entstehen, wenn die auf das um die BEAT-Zahlungen bereinigte steuerliche Ergebnis ermittelte BEAT-Steuer höher als die reguläre Bundeskörperschaftsteuer ist. Deutsche Unternehmen sollten diese Steuer im Blick behalten und ihre Strukturen in den USA prüfen und gegebenenfalls anpassen.

     
  • Änderungen bei der Abzugsfähigkeit von Zinsen
    Die Höhe der abzugsfähigen Zinsen wird geändert und darf 30 Prozent des „adjustable taxable income“ nicht überschreiten. Das „adjustable taxable income“ wird in einer Nebenrechnung ermittelt und ähnelt der Definition des EBITDA (2018-2021) bzw. des EBIT (ab 2022). Die Strategie bei der Vergabe von Darlehen an US-Tochtergesellschaften ist zu überprüfen.
  • Anti-Hybrid-Regelung
    Der Zinsabzug wird bei hybriden Gesellschaften oder bei Transaktionen versagt, bei denen der korrespondierende Zinsertrag im Ausland nicht besteuert oder bei denen der Zinsaufwand doppelt abgezogen wird. Die Regel erfasst ebenfalls Lizenzaufwendungen.
  • Änderungen bei der Nutzung von steuerlichen Verlusten
    Der steuerliche Verlustrücktrag wird abgeschafft. Ausgenommen hiervon sind einige wenige Industriezweige wie die Agrarwirtschaft. Dafür sind ab 2018 entstehende steuerliche Verluste zeitlich unbegrenzt vortragsfähig. Die Verlustnutzung wird allerdings faktisch auf 80 Prozent des zu versteuernden Einkommens begrenzt.

     
  • Weitere Änderungen
    Die domestic production deduction (steuerliche Vergünstigung für inländische Produktionsunternehmen) wird abgeschafft. Hingegen wird die Steuergutschrift für Forschungs- und Entwicklungskosten (Research & Development credits) beibehalten.
  • Bilanzielle Auswirkungen
    durch die Senkung der Steuersätze wird die Neubewertung der aktiven, wie auch passiven latenten Steuern in der Bilanz notwendig. Dies hat zum Teil massive Auswirkungen auf das Ergebnis nach Steuern und die Konzernsteuerquote der Unternehmen. Geld fließt dabei aber zunächst keines.

Fazit:

Die Übersicht macht deutlich, dass aus Sicht des deutschen Maschinenbaus, unabhängig davon ob bislang nur exportiert wird oder schon US-Tochterunternehmen bestehen, Handlungsbedarf besteht. Es gilt insbesondere folgende Auswirkungen zu beachten:

  • Modellierung des Einflusses der Steuerreform hinsichtlich Auswirkungen auf das Geschäftsmodell und Investitionen oder Akquisitionen.
  • Analyse des Einflusses auf Konzernabschlüsse (latente Steuern, Konzernsteuerquote).
  • Identifizierung notwendiger Anpassungen der Finanzierungs- und Kapitalstrukturen vor dem Hintergrund der Begrenzung der Abzugsfähigkeit von Zinsen.
  • Planungsüberlegungen zur Nutzung der bewusst gesetzten steuerlichen Anreize und zur Vermeidung von Doppelbesteuerung aus deutscher und US-Sicht.

Grafische Darstellung einiger Eckpunkte der Steuerreform: